Kölner Stadt-Anzeiger: Samstag/Sonntag, 4./5.Februar 2017

Gemeinde Morsbach kauft 23 000 Quadratmeter großes früheres Betriebsgelände
VON CHRISTOPH BUCHEN UND JENS HÖHNER

Morsbach. Für Morsbach ist dies ein durchaus historischer Tag: Am 1. März gehen sowohl das Bahnhofsgebäude als auch das Bahngelände in das Eigentum der Gemeinde Morsbach über. Im November vergangenen Jahres hatte die in Köln ansässige Dienststelle West des Bundeseisenbahnvermögens das 23 146 Quadratmeter große Gelände in einem Bieterverfahren auf den Markt gebracht.


Jetzt erhielt Morsbach den Zuschlag: Zum Preis der Startgebote - 78 000 Euro für die Immobilie und 352 000 Euro für das Grundstück - hat die Gemeinde das Gelände gekauft. "Wir haben den Zuschlag wohl auch deshalb bekommen, weil wir alles kaufen wollten", erklärt Bürgermeister Jörg Bukowski. Zuvor hatte die Gemeindeverwaltung gehofft, dass es keine anderen Bieter geben würde. Doch boten tatsächlich andere Interessenten mit, allerdings nur für den Bahnhof oder das Grundstück, nicht aber für das Ensemble. Die Tinte unter dem Kaufvertrag ist gerade getrocknet.

Vor den Augen des Notars Dr. Paul Sebastian Hager setzten Bürgermeister Jörg Bukowski und Gemeindeverwaltungsrat Johannes Mauelshagen ihre Unterschriften unter das Dokument. Vorausgegangen war ein einstimmiger Ratsbeschluss zum Erwerb des gesamten Geländes, das im Integrierten Handlungskonzept (IHK) eine zentrale Rolle spielt.

In den 1960er bis 1980er Jahren hatten erst der Rückgang des Schienenverkehrs und später auch das mangelnde Interesse am Erhalt des 1898 erbauten Bahnhofs zu ständigen Auseinandersetzungen zwischen den Bahnbetreibern und der Morsbacher Gemeindespitze geführt. Bis ins Jahr 1960 verkehrten Personenzüge zwischen Morsbach und Waldbröl, im April 1994 rollte dann der letzte Güterzug mit Holzstämmen über die Gleise. Seither ruht der Bahnverkehr.

1988 wurde das Bahnhofsgebäude in die Denkmalliste der Gemeinde aufgenommen - "wegen der damals üblichen Stilmerkmale der königlich-preußischen Eisenbahn", hieß es und weiterhin wurde der Erhalt des Ensembles aus künstlerischen und wissenschaftlichen - "insbesondere eisenbahngeschichtlichen" - Gründen, und dem damit verbundenen öffentliche Interesse gefordert. 2003 wurden zudem die Schienen unter Schutz gestellt.

Vor allem der Morsbacher Heimatverein wies unermüdlich auf den fortschreitenden Verfall des Geländes hin und forderte die Sanierung des Bahnhofs. Im Februar 2013 wurde mit Zustimmung des Gemeinderats eine Resolution auf den Weg gebracht, die dazu führte, dass das Eisenbahnvermögen wenigstens das Dach des Gebäude in Stand setzte. Teile der Gleisanlagen und das Bahnhofsgebäude, versichert Bürgermeister Bukowski, bleiben erhalten. Geplant sind dort unter dem Titel "Treffpunkt Bahnhof" ein Integrations- und Begegnungshaus auszubauen, Flächen für Wohnraum, Kleingewerbe und Handwerk.